Stadt Hechingen 25.07.2007
Projekt „Organisationsstruktur der Freiwilligen Feuerwehr Hechingen“
Unsere Freiwillige Feuerwehr ist eine unverzichtbare städtische Einrichtung. Sie basiert auf Ehrenamtlichkeit. Die Feuerwehrangehörigen stehen jedoch in besonderer Verantwortung, da die Einwohnerschaft ihnen in hohem Maße vertraut und auf ihre Hilfeleistung in Ernstfällen baut. Das gilt gleichermaßen auch für andere Hilfs- und Rettungsdienste. Beim Hochwasserereignis in der Nacht vom 20. auf den 21.06.2007 hat sich diese Einschätzung wiederum bewahrheitet. Wichtig ist daher, dass die Organisation der Gesamtwehr mit ihren 212 Aktiven (Stand: Dezember 2006 laut Jahresbericht) auch künftig den Anforderungen entspricht. Mit dieser Thematik befasst sich im Auftrag des Gemeinderates eine Projektgruppe unter der Leitung des Bürgermeisters.
1. Erörterung und Beschlussfassung im Gemeinderat
Vor allem die weiter fortschreitende berufliche Mobilität sowie die demografische Entwicklung werden sich im Lauf der nächsten Jahre nachhaltig auf die Einsatzfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehr Hechingen mit ihren neun Abteilungen auswirken. Es ist deshalb nicht möglich, deren Organisationsstruktur unverändert zu belassen. Um auch künftig den Erfordernissen entsprechen zu können, bedarf es neuer Überlegungen. Vor diesem Hintergrund beschloss der Gemeinderat am 15.12.2005 einstimmig, die Verwaltung mit der Durchführung einer Organisationsuntersuchung zu beauftragen. 2. Projektarbeit
2.1 Verfügbarkeitsabfrage
Im ersten Quartal 2006 wurde bei allen aktiven Feuerwehrangehörigen jeweils die Verfügbarkeit sowohl tagsüber als auch nachts abgefragt. Die Auswertung erfolgte durch die Stadtverwaltung nach vorheriger Überprüfung der Daten seitens der Abteilungskommandanten. Das Ergebnis wurde der vom Bürgermeister gebildeten FFW-Projektgruppe vorgelegt. 2.2 Zusammensetzung der FFW-Projektgruppe
Mitglieder der FFW-Projektgruppe sind der Kommandant, der stellvertretende Kommandant, die neun Abteilungskommandanten und deren Stellvertreter, die acht Ortsvorsteherinnen und Ortsvorsteher sowie der Fachbereichsleiter Bürgerdienste und der Bürgermeister. Die erste Arbeitssitzung fand am 27.06.2006 statt. 2.3 Vornahme von Selbsteinschätzungen
Innerhalb der Projektgruppe wurde vereinbart, dass auf der Grundlage der Verfügbarkeitsdaten jede Abteilungsführung eine Selbsteinschätzung vornimmt. Aufgabenstellung war zudem, daraus bereits denkbare Konsequenzen abzuleiten. 2.4 Feststellungen/Handlungsempfehlungen
Die Projektgruppe kam schließlich zu der Erkenntnis, dass die Freiwillige Feuerwehr Hechingen als Gesamtgebilde „rund um die Uhr“ einsatzfähig ist, diese Feststellung jedoch für die einzelnen Abteilungen überwiegend nicht zutrifft. Eine Neuorganisation wurde deshalb für notwendig erachtet. 3. Erörterung und Beschlussfassung im Gemeinderat
Am 12.10.2006 befasste sich der Gemeinderat mit einem Zwischenbericht über die Arbeit der Projektgruppe. Beschlossen wurde bei 28 Ja-Stimmen, 1 Nein-Stimme und 1 Enthaltung, Verwaltungsspitze und Feuerwehr-Führung zu bitten, die Organisationsüberlegungen zu konkretisieren. 4. Projektarbeit
4.1 Organisationsvorschläge der Abteilungsführungen
Basierend auf den Ergebnissen der Selbsteinschätzungen (siehe Ziffer 2.3) wurden von den Abteilungsführungen konkrete Vorschläge für die künftige Organisationsstruktur bezüglich der Gesamtwehr erbeten. 4.2 Kooperationsmodell „Übungsbetrieb und Einsatzgeschehen“
Aus den eingebrachten Vorschlägen der Abteilungsführungen wurde ein Kooperationsmodell entwickelt. Dadurch soll eine weitere Ebene für Übungsbetrieb und Einsatzgeschehen auf der Basis von Wache-Standorten definiert werden. Bedingung ist aber, dass alle Abteilungen erhalten bleiben, diese jedoch sehr eng zusammenarbeiten. 4.3 Denkbare künftige Organisationsstruktur
Jede Abteilung verfügt weiterhin über ihr Gerätehaus und ein Fahrzeug (Mindestausstattung: Mannschaftstransportwagen MTW oder Gerätewagen Transport GW-T), um örtliche Grund- bzw. Sonderaufgaben zu erledigen. Bei Schadenslagen, für die die örtliche Leistungsfähigkeit nicht ausreicht, greift das Kooperationsmodell. Derlei Einsätze werden dann von den Gerätehäusern aus, welche zugleich Wache-Funktion haben, absolviert. Diese müssen deshalb mit entsprechenden Fahrzeugen und Gerätschaften ausgestattet sein. Als Wache-Standorte sind momentan Hechingen (Wache 1: Kooperation Hechingen/Weilheim), Stetten (Wache 2: Kooperation Stetten/Boll), Sickingen (Wache 3: Kooperation Sickingen/Bechtoldsweiler/ Stein) und Beuren (Wache 4: Kooperation Beuren/Schlatt) vorgesehen. 5. Erörterung und Beschlussfassung im Gemeinderat
Nach ausgiebiger Diskussion fasste der Gemeinderat am 29.03.2007 einstimmig folgenden Beschluss:
a) Auf der Grundlage des Kooperationsmodells ist zunächst der Übungsbetrieb unter Belassung von Fahrzeugen und Ausrüstung an den jetzigen Standorten aufzunehmen.
b) Verwaltungsspitze und Feuerwehr-Führung werden gebeten, bezüglich der Wachen 1 bis 4
ba) die konkrete Zuordnung von Personal, Fahrzeugen und Gerätschaften vorzunehmen und
bb) aufzuzeigen, wo und in welcher Höhe dadurch Investitionserfordernisse entstehen, damit die endgültige Organisationsentscheidung getroffen werden kann.
c) Freiwilligen Kooperationen auf der Basis des Modells wird zugestimmt.
6. Projektarbeit
6.1 Nachbereitung der Entscheidung des Gemeinderates Da sich innerhalb der FFW-Projektgruppe Gegenpositionen zum Kooperationsmodell und speziell zu den vorgeschlagenen Wache-Standorten ergeben hatten, sind diese im Nachgang zur Entscheidung des Gemeinderates (siehe Ziffer 5) nochmals diskutiert worden. Schließlich wurde vereinbart, externen Sachverstand hinzuzuziehen. 6.2 Laufende Beteiligung der Gemeinderatsfraktionen
Auf Wunsch des Bürgermeisters nehmen nun auch Vertreter der Gemeinderatsfraktionen an den Sitzungen der Projektgruppe teil (1 Vertreter pro Fraktion). 6.3 Meinungsaustausch mit externen Fachleuten
An der letzten Sitzung der Projektgruppe am 10.07.2007 nahmen absprachegemäß der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes, Dr. Knödler, und Bezirksbrandmeister Spahlinger teil.
Im Rahmen eines regen Meinungsaustausches stellte Präsident Dr. Knödler fest, er begrüße Kooperationen unter den Abteilungen, sehe aber keinen Bedarf für eine Änderung der Organisationsstruktur. Die starke Hechinger Stadtabteilung garantiere grundsätzlich die Einsatzfähigkeit der Gesamtwehr. Sie bilde quasi deren Rückgrad. Die Mannschaftsstärke der Stadtabteilung müsse unbedingt gehalten werden. Darauf solle konsequent die Nachwuchsarbeit ausgerichtet werden.
Wichtig sei auch, allen anderen acht Abteilungen moderne Löschfahrzeuge zur Verfügung zu stellen, um die dortigen Mannschaften zu motivieren und zu binden. Er warnte vor „MTW-Abteilungen“ (siehe Ziffer 4.3). Für die Abteilung Schlatt solle ein Löschfahrzeug der höheren Kategorie und die dann notwendige Erweiterung des Gerätehauses vorgesehen werden. Verbandspräsident Dr. Knödler schlug schließlich vor, jährlich ein Löschfahrzeug im Lauf der nächsten zehn Jahre zu beschaffen. Bezirksbrandmeister Spahlinger schloss sich im Wesentlichen den Ausführungen von Präsident Dr. Knödler an.
6.4 Weiteres Vorgehen
Der Bürgermeister nahm die Hinweise der externen Fachleute, insbesondere die des Präsidenten des Landesfeuerwehrverbandes, zur Kenntnis und kündigte noch in der Sitzung der Projektgruppe an, sich das weitere Vorgehen überlegen zu wollen. Er werde dann zunächst wieder die Projektgruppe und insbesondere den Gemeinderat als „Auftraggeber“ informieren.
Der Bürgermeister bat ausdrücklich darum, bis dahin keine Beratungen in anderen Gremien vorzunehmen und von Veröffentlichungen zu dieser Gesamtthematik abzusehen. Trotzdem wurde in den örtlichen Tageszeitungen gleich danach über Inhalte besagter Sitzung der Projektgruppe detailliert berichtet. Deshalb hat der Bürgermeister veranlasst, dass nun im STADTSPIEGEL dieser Bericht, der der Bevölkerung Aufschluss über den kompletten bisherigen Verlauf des Projekts geben soll, abgedruckt wird.
Anmerkung:
Allen aktiven Feuerwehrangehörigen wurden die jeweiligen Gemeinderats-Drucksachen vorab zur Information übersandt. Außerdem sind die Abteilungskommandanten seit Beginn der Projektarbeit gehalten, Rückkoppelungen mit ihren Mannschaften vorzunehmen. Den Ortsvorsteherinnen und Ortsvorstehern wurde empfohlen, ihre Gremien informell zu beteiligen. Dadurch soll in punkto Projektarbeit die Transparenz gewahrt bleiben. |